BMW nimmt für sich in Anspruch, das erste Sports Activity Coupé (SAC), also ein Coupé das auch ins Gelände kann, auf die Räder gestellt zu haben. Nun gut, wenn man den Ssangyong Actyon nicht mitzählt, stimmt das auch. Für die meisten ist es wohl schlicht und einfach ein Zwitter, ein Coupé, das auch mal Abstecher ins Gelände mitmacht. So ganz wollen sich hochbeiniges Fahrwerk und elegant sportliche Coupélinie nicht zusammenfügen auch wenn man seine Höhe durch optischen Feinschliff an der Frontpartie zu kaschieren versucht. Irgendwie taucht in den Gedanken der Begriff Monstertruck auf.
Nun sportlich sollten der Fahrer und die Passagiere schon sein, denn auf die normale Art ein Auto zu besteigen, lässt sich der X6 gar nicht ein. Wer erst mal ein Bein reinstellt und dann die Gesäßmuskulatur auf den dafür vorgesehenen Platz hievt, braucht dann die Fähigkeiten einer Schildkröte um den Kopf auch noch durch die niedrige Türöffnung zu bekommen. Hier empfiehlt sich doch: Erst den Kopf rein und dann alles andere. Und nicht den „feinen Zwirn“ anziehen, denn man kommt fast nicht ohne Schmutzspuren in Wadenhöhe davon
Hat man den X6 dann geentert, empfängt einen eine sportlich edle Note, die dominiert wird von poliertem Holz, Leder (Aufpreis) und Aluminiumapplikationen. Gediegenes Limousinen Ambiente nach Münchner Art, beschreibt das wohl am besten. Das Platzangebot ist mehr an einem Sportwagen ausgerichtet, hat aber durchaus hinreichendes Raumgefühl zu bieten. Die Sitze lassen sich nach Art des Hauses optimal einstellen und bieten reichlich Komfort und auch eine bequeme Sitzposition. Die Seitenführung ist in Ordnung und die Kniepads lassen noch mehr sportliches Feeling aufkommen. Für die Mitfahrer in der zweiten Sitzreihe stehen zwei Einzelsitze zum gefälligen Gebrauch bereit.
Für genügend Gepäckraum hat man ebenfalls gesorgt. Mit einem Volumen von 570 Litern liegt der X6 deutlich über dem sonst für ein Coupé üblichen Wert. Durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rücksitzlehen kann man ihn auf bis zu 1450 Litern erweitern. Beladen kann über die Heckklappe werden, die sehr hoch öffnet. Vorsicht ist da in Tiefgaragen der niedrigen Bauart geboten. Elektrisches Bedienen der Heckklappe kostet 540 Euro extra.
Über das neue I-Drive sollte man eigentlich gar keine Worte mehr verlieren, es ist einfach zu bedienen und wer damit nicht klar kommt, für den war auch schon der VW Käfer eine Höllenmaschine.
Apropos Höllenmaschine, unser X6 hörte auf den Namen X6 xdrive 3.5d. Ein Reihensechszylinder Selbstzünder mit 3 Litern Hubraum und Doppelturbo Aufladung. Das bringt 580 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle und eine Leistung von 286 PS. Gut bekannt ist der Motor ja schon aus anderen Modellen der BMW-Flotte, hier im X6 reicht er für eine Spitze von 236 Km/h und der Spurt auf die 100 Km/h wird in 6,9 Sekunden erledigt. Wem das nicht reicht, der hat die Option mit dem V8 sich 407 PS unter die Haube packen zu lassen, wer weniger will, nimmt den 3.0 d mit 235 PS. Beim 3.5i Sechszylinder Benziner mit 306 PS sind dir Fahrleistungen nur marginal besser als mit dem 3.5d.
Unser Testwagen hatte in allen Situationen mehr als genug Leistung und harmonierte vorzüglich mit dem Sechsgang Automatikgetriebe, das bei allen Modellen Serie ist. Man schaltet über Paddel am Lenkrad oder über den Schaltknauf, wobei der Automatikmodus in fast allen Situationen ausreicht. Schnelle Schaltzeiten und ruckfreie Gangwechsel zeichnen das Getriebe aus.Dabei war der Testverbrauch mit 12.3 Litern Diesel pro 100 Km als moderat zu bezeichnen.
An der Schnur gezogen
Enge und winkelige Gassen sind nicht so das Terrain, das dem X6 liegt. Hier kommt eine Schwerfälligkeit zu Tage, die er einmal seiner Breite und auch dem großen Wendekreis verdankt. Parkhäuser und enge Parkplätze werden da zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Das ändert sich wenn man kurvige Landstraßen oder die Autobahn unter die Hufe nimmt. Die erstmals im X6 serienmäßig verbaute Dynamic Performance Control sorgt für genügend Vortrieb in jeder Lage und stabilisiert durch mehr Kraftfluss zum kurvenäußeren Hinterrad. Das sorgt für eine Dynamik die schon als außergewöhnlich zu betrachten ist. Die elektronischen Helfer können aber noch mehr, so wird bei Untersteuern das kurveninnere Rad mit mehr Leistung versorgt. Unbeirrt zieht der X6 seine Bahn, ohne das der Fahrer den Eingriff der Elektronik mitbekommt.
Zweikommaeins Tonnen Leergewicht möchten schon im Zaum gehalten werden. Dafür steht auch noch eine Bremsanlage zur Verfügung, die den Koloss sicher zum Stehen bringt.
Abseits der Straße
X steht bei BMW auch für die Fähigkeit sich auf nicht befestigtem Terrain vorwärts zu bewegen, ohne gleich nach einem Traktor schreien zu müssen. Es fehlt dem X6 trotz seinem hochbeinigen Fahrwerk jedoch etwas an Bodenfreiheit, was in für extreme Ausflüge ins Gelände disqualifiziert. Dennoch erwies er sich auf unbefestigten und rauen Geläuf den meisten Situationen gewachsen. Die Traktion ist hervorragend selbst durch Schlammlöcher wühlt er sich, nur der Böschungswinkel setz dann Grenzen. Auch wen sich manches Nackenhaar sträubt bei dem Gedanken mit diesem Auto ins Gelände zu gehen – er kann es.
Exklusivität hat ihren Preis, so ist der günstigste X6 als 3.0d ab 56.800 Euro zu haben.
Als Fazit bleibt: Was der Brillantring für die Dame, ist der X6 für den Herrn. Unbedingt gebraucht wird keiner von beiden, aber es ist nett, wenn man ihn hat.Allerdings ist ein Briliantring wesentlich wertbeständiger als ein Auto
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